Wie Lange Darf Man Benecol Einnehmen
Brot mit Omega-3-Fettsäuren, Joghurt mit probiotischen Kulturen, Margarine mit Phytosterinen, Fitnessdrinks mit ACE – immer mehr Lebensmittel sind heute nicht nur Nahrung, sondern gleichzeitig auch „Gesundmacher". Essen um satt zu werden reicht längst nicht mehr aus. Der Trend der Zukunft heißt: Essen als Medizin.
Frei nach dem Motto des Hippokrates: „Lass Nahrung Deine Medizin sein und Medizin Deine Nahrung" scheint der Einkauf im Supermarkt den Gang in die Apotheke heute fast schon zu ersetzen. Zusätze von Vitaminen, Spurenelementen oder Enzymen in immer mehr Lebensmitteln halten uns gesund, fit und jung – das verspricht jedenfalls die Werbung.
Eine Vielzahl von maßgeschneiderten „funktionellen Lebensmitteln" sollen den gestressten Menschen von heute mit all dem versorgen, was er tatsächlich oder vermeintlich mit der Nahrung nicht ausreichend bekommt. Und nicht nur das: Die Zusätze machen, so die Versprechungen der Branche, zudem noch schlank, stärken die Abwehrkräfte, senken den Cholesterinspiegel oder wirken sogar gegen Krebs. Wer will da schon Nein sagen?
Denn die Menschen in den Industrieländern werden immer älter, aber auch immer kränker: Niemals zuvor gab es so viele Übergewichtige, Diabetiker oder Herz-Kreislaufkranke. Und ein Großteil dieser Krankheiten geht auf das Konto unserer Ernährung: Experten schätzen, dass mehr als ein Drittel aller Gefäßkrankheiten, ein Viertel aller Diabetesfälle und sogar bis zu 35 Prozent aller Krebserkrankungen durch richtige Ernährung vermeidbar wären. Angesichts der leeren Kassen im Gesundheitswesen häufen sich daher Bemühungen und Appelle um gesunde Ernährung.
Doch genau hier liegt das Problem: Zwar finden sich Milchsäurebakterien, Omega-3-Fettsäuren, Folsäure oder Vitamin C auch in vielen herkömmlichen Lebensmitteln, wie Joghurt, Gemüsen, Obst oder frischem Fisch, aber wer hat schon die Zeit, alles immer frisch einzukaufen und zuzubereiten? Im Zeitalter von Fastfood und Mikrowelle muss es schnell und einfach gehen. Der kleine Bissen zwischendurch ist Trumpf, für langes Kochen bleibt im Berufsalltag meist ohnehin keine Zeit.
Hier setzen die neuen „Nutraceuticals" an: Sie versetzen Limonaden, Joghurt oder Süßigkeiten mit den entsprechenden Zusätzen und der Verbraucher kann so gesund genießen, ohne seine Ernährung umstellen zu müssen. Praktisch – vor allem auch für die Lebensmittelproduzenten: Während die restliche Branche eher kränkelt, verzeichnen die Hersteller von funktionellen Lebensmitteln zweistellige Wachstumsraten. Schon heute ist jeder sechste Joghurt probiotisch und ACE-Drinks vervielfachten ihren Umsatz in Deutschland zwischen 1996 und 2002 von neun auf 226 Millionen Liter.
Das Geschäft mit den Gesundmachern boomt. Auch die Wissenschaft ist längst auf diesen Zug aufgesprungen. In Deutschland allerdings mit erheblicher Verspätung gegenüber Japan und den USA. Inzwischen existiert an der Universität Hannover jedoch sogar ein „Kompetenzzentrum Functional Food", das die Arbeit von Forschungseinrichtungen und Unternehmen in diesem Bereich koordinieren und fördern soll.
Doch was ist dran an den Versprechungen? Sind die funktionellen Lebensmittel wirklich „Genuß ohne Reue"? Oder gibt es Risiken und Nebenwirkungen, von denen auch der Apotheker nichts weiß? Welche Zusätze sind sinnvoll, welche nicht?
Funktionelle Lebensmittel sind inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes „in aller Munde". Doch was genau macht Essen zu Functional Food? Eine weltweit einheitliche Definition für das Phänomen gibt es bis heute nicht, wohl aber diverse Formulierungen, die letztendlich in etwa auf das gleiche hinauslaufen: Im Prinzip sind es Lebensmittel, die über Nährwert und Geschmack hinaus einen positiven Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden ausüben oder Krankheitsrisiken reduzieren.
Dieser „Zusatznutzen" wird durch Zugabe bestimmter Substanzen oder durch Veränderung der ursprünglichen Eigenschaften, beispielsweise durch Gentechnik, erreicht. Die am häufigsten zugesetzten Substanzen sind dabei Vitamine, Spurenelemente, Pro- und Präbiotika, bestimmte Fettsäuren oder Fettersatzstoffe, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe oder Enzyme.
Functional Food in den USA © USDA
Japan als Vorreiter
Vorreiter der Functional Food-Welle ist Japan. Hier wurde schon 1991 das Konzept von „Foods for Specified Health Use" (FOSHU) eingeführt und die Bedingungen für solches FOSHU-Food genau definiert: Im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln dürfen die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe nicht in Form von Kapseln oder Pillen angeboten werden, sondern müssen in normalen Lebensmitteln wie Brot, Joghurt oder Getränken enthalten sein. Damit sind sie Teil der normalen täglichen Ernährung. Die Inhaltsstoffe müssen darüberhinaus natürlichen Ursprungs sein und dürfen nicht aus synthetischer Herstellung stammen.
Sie müssen darüberhinaus eine definierte und in wissenschaftlichen Studien nachgewiesene Wirkung auf den menschlichen Organismus haben, beispielsweise indem sie die Immunabwehr verbessern, bestimmten Krankheiten vorbeugen, den Alterungsprozess verlangsamen oder aber die Genesung unterstützen. Nur Produkte, die diese Kriterien erfüllen, dürfen in Japan das offizielle „FOSHU-Siegel tragen.
…die USA ziehen nach
In den USA definiert die National Academy of Sciences Functional Food als Designer-Food, bei dem die Konzentrationen von einem oder mehreren Inhaltsstoffen so verändert wurden, dass sie gesundheitsfördernd wirken. Im Gegensatz zu Japan ist es dabei unerheblich, ob die Zusatzstoffe natürlich oder synthetisch produziert wurden. Als die ersten Functional-Food-Produkte in den USA galten daher isotonische Sportgetränke.
…und Deutschland hinkt hinterher
In Deutschland dagegen existiert zur Zeit weder eine eindeutige rechtliche Grundlage noch eine einheitliche Definition. Die funktionellen Lebensmittel bewegen sich hier in der Grauzone zwischen Lebensmittel- und Arzneimittelgesetz. Sie gelten zwar als Lebensmittel und mussten daher bislang nicht die strengen Zulassungskriterien für Medikamente erfüllen, dürfen dafür aber – eigentlich – auch nicht mit „krankheitsbezogener" Werbung vermarktet werden. Ausnahmeregelungen existieren jedoch für Lebensmittel, die als „diätetisch" eingestuft werden.
Eine offizielle Zulassung brauchen allerdings die Lebensmittel, die mit neuartigen, bisher nicht zur Ernährung verwendeten Zusätzen auf den Markt kommen sollen. Sie fallen unter die europäische Novel Food Verordnung und müssen daher den Nachweis erbringen, gesundheitlich unbedenklich zu sein. Beispiele für solche zulassungspflichtigen Lebensmittel sind Produkte mit Zusätzen von Algen, neuen oder veränderten Mikroorganismen, synthetischen Fett- oder Zuckerersatzstoffen. Sie dürfen dafür aber auch mit ihren gesundheitlichen Effekten werben. Ein Beispiel hierfür sind Margarinen oder Joghurts mit pflanzlichen Sterinen, die als „nachweislich Cholesterin senkend" proklamiert werden.
Stand: 23.04.2004
24. Juli 2000: Dieser Tag wird zum Wendepunkt in der europäischen Functional Food Geschichte. Zum allerersten Mal entscheidet die EU-Kommission im Rahmen der Novel Food Verordnung positiv über ein Nahrungsmittel, dem ein Stoff ausdrücklich wegen seiner arzneilichen Wirkung zugesetzt wurde. Das Produkt: Die von Unilever hergestellte Margarine „Becel pro-activ". Die proklamierte Wirkung: Eine deutliche Senkung des Cholesterinspiegels im Blut.
Phytosterinhaltige Margarine © Becel
Die offiziell als „gelbes Streichfett mit Phytosterolester-Zusatz" beantragte Margarine enthält das Fettsäureester eines pflanzlichen Sterins, eine Substanz, die in seiner Struktur dem Cholesterin verwandt ist. In natürlicher Form kommt es beispielsweise in Ölen, Nüssen, Bohnen und ölhaltigen Samen vor. Wird das Phytosterin in ausreichender Menge aufgenommen, kann es verhindern, dass Cholesterin aus dem Darm ins Blut gelangt.
Januskopf Cholesterin
Normalerweise wird das Fett verdaut, indem spezielle kugelförmige „Fährenmoleküle", die Micellen, die Cholesterinmoleküle aufnehmen und sie durch die Darmwand schleusen. Im Blut wird das wasserunlösliche Cholesterin an Proteine gebunden als Lipoprotein transportiert. Die beiden Hauptträger von Cholesterin sind dabei die „High Density Lipoproteins" (HDL) und „Low Density Lipoproteins" (LDL) – im Volksmund das „gute" und das „schlechte" Cholesterin.
Während das HDL überschüssiges Cholesterin direkt zur Leber transportiert und damit seinen Abbau fördert, verteilen die LDL-„Träger" das Cholesterin im ganzen Körper und schleusen es in die Zellen ein. Übrigbleibendes LDL-Cholesterin dagegen lagert sich mit Vorliebe an den Arterienwänden ab und führt damit zur schleichenden Verstopfung der Blutgefäße.
Verdrängungswettbewerb an der „Fettfähre"
Phyosterine bremsen gezielt das schlechte Cholesterin aus, lassen das gute aber unbehelligt. Die pflanzlichen Sterine verdrängen das Cholesterin im Darm aus den Micellen und verhindern so dessen gehäuften Übertritt in das Blut. Es wird stattdessen weitgehend unverdaut ausgeschieden.
Die Phytosterine ihrerseits gelangen auch nur zu rund fünf Prozent in das Blut, wie Studien gezeigt haben. Warum dies allerdings so ist, weiß man noch nicht. Im Blut wird das Phytosterin direkt zur Leber transportiert und dort vierzigmal schneller abgebaut als andere Blutfette.
Diese Wirkung des Pflanzeninhaltsstoffs ist schon seit Jahrzehnten bekannt und wird in der Arzneimittelherstellung bereits ausgenutzt. Normalerweise liegt jedoch die wirksame Dosis hier um das Acht- bis Zwölffache über der normalerweise mit Nahrungsmitteln aufgenommenen. Die Becel-Margarine allerdings enthält Phytosterine in Mengen, wie sie in Europa so noch niemals in einem Lebensmittel zu finden waren: Immerhin 7,5 Gramm Sterin pro 100 Gramm. Nach Angaben von Unilever sollen bereits drei Portionen Becel pro-activ ausreichen, um das unerwünschte LDL-Cholesterin im Blut um 10 – 15 Prozent zu reduzieren.
Ausnahmsweise Werbung
Nach dem Motto: „Tue Gutes und sprich darüber" darf Unilever sogar mit der cholesterinsenkenden Wirkung ihres Produktes werben. Weil dies nach dem deutschen Lebensmittelrecht verboten ist, behalf sich der Konzern mit einem Trick: Er deklarierte die Margarine als diätetisches Lebensmittel. Da für diese Produkte das Verbot krankheitsbezogener Werbung etwas durchlässiger ist, konnte Unilever eine Ausnahmegenehmigung erreichen.
Phytosterolhaltiger Joghurt © MMCD/Benecol
In den USA dürfen Lebensmittelhersteller dagegen längst damit werben, dass ihre Phytosterin- Produkte das Risiko für koronare Herzkrankheiten herabsetzen. Allerdings auch nur dann, wenn diese bestimmte, von der Arzneimittelbehörde FDA festgesetzte Bedingungen erfüllen: „Lebensmittel, die mit dieser Wirkung werben wollen, müssen zusätzlich zu den Sterinen niedrige Anteile an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin nachweisen und dürfen nicht mehr als 13 Gramm Fett pro Portion oder 50 Gramm enthalten", so das FDA.
Noch fehlen in Deutschland und der gesamten EU so detaillierte Richtlinien und Regelungen für Functional Food. Neue Produkte müssen daher entweder auf diese Art der Werbung verzichten oder aber nutzen Schlupflöcher im bestehenden Lebensmittelrecht. Die EU arbeitet allerdings bereits an einer einheitlichen Gesetzgebung.
In der Zwischenzeit hat Unilever bereits seine Phytosterinpalette um einen Joghurt und eine angereicherte Milch ergänzt. Andere Hersteller zogen nach: Noch im Jahr 2000 gingen Anträge der Konkurrenz für Milchprodukte, Wurstwaren und Backwaren mit Phytosterinzusatz bei der EU ein und entsprechende Produkte sind inzwischen auf dem Markt.
Stand: 23.04.2004
Sie helfen gegen Asthma, Enzymmangel, Allergien, fördern das Immunsystem und verhindern Entzündungen – glaubt man den vollmundigen Lobeshymnen von Lebensmittelbranche und Apotheken, sind Probiotika das reinste Allheilmittel. Kaum ein Joghurt, „Fitness"-Getränk oder neuerdings sogar eine Diätmargarine, die inzwischen nicht mit probiotischer Wirkung werben. Doch was ist dran am Hype um die probiotischen „Fitmacher"?
Produkte mit Probiotika-Zusatz © VIS
Hinter dem modisch-wohlklingenden Begriff Probiotika verbirgt sich im Prinzip nichts Neues: Schon seit Jahrhunderten gelten besonders Joghurt, Buttermilch oder bestimmte Käsesorten als besonders gesund. Vor rund 100 Jahren vermutete der russische Mikrobiologe Elie Metchnikoff in den Milchsäurebakterien dieser Produkte die Ursache für die Gesundheit und besondere Langlebigkeit einiger ethnischer Gruppen – ohne dies allerdings beweisen zu können.
Heute werden alle diejenigen Präparate als „Probiotika" bezeichnet, die das Wohlergehen der normalerweise in unserem Darm lebenden „guten" Bakterien fördern. Im häufigsten Fall beinhalten sie lebende Kulturen der auch natürlicherweise in Joghurt und fermentierter Milch vorhandenen Milchsäurebakterien, darunter vor allem Lactobacillus und Bifidobacterius. Sie gehören zur Stammbesetzung der „nützlichen" Untermieter unseres Darms.
Gut für's Immunsystem
Inzwischen mehren sich die Hinweise, dass die „guten" Darmbakterien weit mehr können, als nur Platzhalter und Ordnungshüter in unserem Verdauungssystem zu spielen. So zeigten Studien, dass Probiotikagaben einerseits unser Immunsystem fördern, es andererseits aber auch vor einem „Amoklauf" bewahren können: Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn oder die chronische Darmentzündung besserten sich, nachdem die Patienten regelmäßig lebende Bakterienkulturen zu sich genommen hatten.
Auch gegen Allergien und Asthma, beide ebenfalls durch überschießende Reaktionen des Immunsystems verursacht, sollen die Probiotioka helfen. So konnte Lactobacillus die Konzentration der Allergieantikörper IgE im Blut senken, die Ausschüttung des körpereigenen Interleukins – wirksam gegen Asthma und schwach auch gegen bestimmte Tumore – dagegen erhöhen. Eine direkte Wirkung gegen Darmkrebs ist zwar nicht erwiesen, wohl aber eine Verringerung gesundheitsschädlicher und krebsfördernder Stoffe im Dickdarm.
Kein Allheilmittel
Doch so gut sich alle diese Ergebnisse anhören, zu einem Allheilmittel machen sie die Probiotika deshalb noch nicht. Zum einen gelten die in solchen Studien festgestellten Wirkungen in der Regel immer nur für einen spezifischen Bakterienstamm und sind daher nicht auf die – je nach Produkt aus völlig unterschiedlichen Bakterienkulturen zusammengesetzten – Probiotika allgemein übertragbar.
Zum anderen ist strittig, inwieweit die mit einem probiotischen Lebensmittel zugeführten Keime ihre Wirkung im Darm überhaupt entfalten können. Die bereits dort ansässigen Darmbakterien bilden eine so etablierte und zahlenmäßig weit überlegene Hausmacht, dass Fremdlinge meist keine Chance haben, sich dort anzusiedeln. Als Voraussetzung für die Wirkung der Probiotika gilt daher, dass sie lebend, in ausreichender Zahl und regelmäßig in den Darm gelangen. Nach Expertenmeinung müssen mindestens 100 bis 1.000 Millionen Bakterien pro Tag aufgenommen werden, um die Darmflora zu beeinflussen.
Nach Ansicht von Ernährungsexperten kann der probiotische Frühstücksjoghurt nicht schaden, ist aber kein Ersatz für eine insgesamt ausgewogene Ernährung. Sinnvoll sind diese Produkte vor allem dann, wenn nach Antibiotikaeinnahmen oder bei Verdauungsproblemen die hauseigene Flora dezimiert und ihre Balance gestört ist. Was alle anderen Wirkungen angeht, verspricht die Werbung mehr, als die Wissenschaft zur Zeit beweisen kann. Aber auch der Placeboeffekt soll ja bekanntlich wahre Wunder wirken…
Stand: 23.04.2004
Nach der Schwemme von probiotischen Joghurts und anderen Milchprodukten sind jetzt auch zunehmend Präbiotika im Trend. Von Müsliriegeln und Cerealien bis hin zu Getränken mit den „Fitmachern für den Darm" scheint kaum mehr etwas ohne Inulin, Oligofructose und anderen präbiotischen Zusätzen zu gehen.
Produkte mit Präbiotika-Zusatz © VIS
Präbiotika sind im Prinzip nichts anderes als ein besonders gutes „Futter" für die Milchsäurebakterien und andere „wohltätige" Darmbakterien. Mit der Nahrung aufgenommen, gelangen sie praktisch unverdaut in den Darm und werden hier von Milchsäure- und Bifidusbakterien aufgeschlossen. Im Gegensatz zu anderen Ballaststoffen können Inulin und Oligofructose nur von den „guten" Bakterien verdaut werden und bieten diesen daher einen Wettbewerbsvorteil gegenüber unerwünschten Krankheitserregern.
Die Darmflora freut sich…
Diese günstige Beeinflussung der Darmflora kann, das zeigen zumindest einige wissenschaftliche Studien, auch weitergehende positive Auswirkungen haben. So sinkt durch die veränderte Darmflora das Risiko einer Durchfallerkrankung aber auch das einer Verstopfung. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass nach akuten oder bei chronischen Darmerkrankungen die Präbiotika dazu beitragen können, dass sich die Darmflora schneller wieder regeneriert.
…das Immunsystem auch
Beobachtet wurde auch eine Senkung der Cholesterin- und Triglyceridspiegel im Blut und eine Steigerung der Calciumaufnahme aus dem Darm. Ähnlich wie bei den Probiotika werden auch positive Einflüsse auf das Immunsystem und darüber möglicherweise auch auf das Krebsrisiko diskutiert. Eindeutige Nachweise dafür gibt es jedoch noch nicht. Zudem zeigen Studien auch, dass die Lebensmittel, die natürlicherweise verschiedene Mehrfachzucker enthalten, erheblich besser wirken als die isolierten und dann einem Lebensmittel wieder zugesetzten Präbiotika.
…und die Lebensmittelindustrie noch mehr
Doch der massive Einsatz von Präbiotika hat längst nicht immer nur gesundheitliche Gründe, auch wenn die Werbung das gerne glauben macht. Denn Inulin und Oligosaccachide haben auch ganz praktische, lebensmitteltechnologische Vorteile. Auch in Nicht-„Functional Food" dienen sie daher schon lange als Fett- oder als Zuckerersatzstoff beispielsweise in kalorienarmen Lebensmitteln. Hier sorgen sie dafür, dass diese in Geschmack und Mundgefühl den fett- und zuckerreichen Produkten entsprechen oder sie sogar übertreffen. Inulin wird zudem vielen Milchprodukten als wasserlöslicher Ballaststoff beigemengt. Oligosaccharide sollen dagegen bei Backwaren und Frühstücksflocken Knusprigkeit und Haltbarkeit garantieren.
Doch gerade diese meist für den Käufer kaum überschaubare Häufung von Präbiotika in Nahrungsmitteln kann auch zu Problemen führen. Denn auch wenn diese Ballaststoffe tatsächlich positive Auswirkungen auf die gesunde Darmflora haben, kann auch hier ein Zuviel schaden: Wer sich – bewusst oder unbewusst – fast nur von Produkten ernährt, die mit Inulin als Fett- oder Zuckerersatz hergestellt wurden, überfordert seine „Helfer im Darm". Die Folge: Wenn er Pech hat, verbringt er einen großen Teil des Tages mit Durchfall auf der Toilette…
Stand: 23.04.2004
Am Anfang stand ein scheinbares Paradox: Im Jahr 1944 beobachtete der britische Biochemiker Hugh Sinclair, dass kanadische Inuit fast nie unter Arteriosklerose litten und Herzinfarkte nur selten auftraten. Und das, obwohl sie sich extrem ungesund ernährten – zumindest nach geltender Lehrmeinung: Fettreiches Wal- und Robbenfleisch, Tran, ölhaltige Fische standen nahezu täglich auf den Speiseplan, frisches Gemüse oder Obst dagegen fast nie. Eigentlich hätten daher die Arterien der Inuit geradezu am Cholesterin ersticken müssen – doch davon keine Spur. Wie war dieser Widerspruch zu erklären?
Lange Zeit tappte man komplett im Dunkeln, bis in den 1970er Jahren zwei dänische Wissenschaftler weitere Untersuchungen an grönländischen Inuit durchführten. Sie stellten die Theorie auf, dass ein häufiger Inhaltsstoff der fettreichen Fischnahrung, die Omega-3-Fettsäure, möglicherweise für den rätselhaften Herzschutz verantwortlich sein könnte. Inzwischen haben Studien und Labortests diese Theorie bestätigt.
Die Position entscheidet
Omega-3 und -6 Fettsäuren © MMCD
Mit der täglichen Nahrung nehmen wir eine Mischung verschiedenster Fette und Fettsäuren auf. Besonders wichtig für den Körper sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, da sie vom Körper nicht oder nur eingeschränkt synthetisiert werden können. In ihrer chemischen Struktur finden sich jeweils mehrere Doppelbindungen zwischen Kohlenstoffatomen. Je nachdem, an welchem Kohlenstoffatom die erste dieser Doppelbindungen sitzt, spricht man von Omega-3, -6 oder –9 Fettsäuren.
Diese wiederum unterscheiden sich nicht nur in ihrer Struktur sondern auch in ihrer Wirkung und Funktion im Stoffwechsel. Omega-6 Fettsäuren wie beispielsweise die in Sonnenblumen- oder Distelöl enthaltene Linolsäure, werden in den Zellwänden durch Enzyme zu bestimmten Botenstoffen, den Omega-6 Eicosanoiden umgewandelt. Diese gelangen ins Blut und fördern hier die Blutgerinnung, wirken aber auch verstärkend auf Entzündungsvorgänge.
„Gute" Eicosanoide
Die gleichen Enzyme wandeln auch die aus dem Fischöl stammenden Omega-3 Fettsäuren zu Eicosanoiden um. Diese Omega-3 Eicosanoide allerdings unterscheiden sich in ihrer Wirkung eklatant von ihren „Vettern": Sie dämpfen Entzündungen und hemmen die Entstehung von Blutgerinseln oder Ablagerungen in den Arterien. Gleichzeitig senken sie den Cholesterinspiegel und beschleunigen den Abbau der Triglyzeride und Lipoproteine im Blut, der Transportform der Blutfette.
In Langzeitstudien, in denen Herzpatienten täglich drei bis vier Gramm Omega-3 Fettsäuren einnahmen, wurde eine Absenkung des „schlechten" LDL-Cholesterins um zehn Prozent, und der Triglyzeridwerte um sogar 20 bis 25 Prozent erreicht. Die Konzentration des „guten" HDL-Cholesterins blieb gleich oder stieg sogar an.
Wundermittel gegen Cholesterin?
Angesichts der Tatsache, dass rund zwei Drittel der Deutschen erhöhte Cholesterinwerte haben und Herz-Kreislauferkrankungen zu den häufigsten Todesursachen in den Industrieländern gehören, sorgten diese und andere Studien für entsprechendes Aufsehen. Es schien fast, als sei – mal wieder – ein neues Wundermittel gefunden – und noch dazu ein ganz natürliches. Und nicht nur die Medizin, auch die Lebensmittelindustrie sprang sofort darauf an: Galt bisher immer die Devise: Hauptsache ungesättigte Fette, bevorzugt in Form von Oliven- oder Distelöl, sind jetzt Omega-3 Fettsäuren der neueste Schrei.
Heringe enthalten viele Omega-3 Fettsäuren © NOAA
Um mit der normalen Nahrung therapeutisch wirksame Mengen an Omega-3 Fettsäuren aufzunehmen, müsste jeder mindestens zweimal in der Woche 150 bis 200 Gramm Kaltwasserfisch wie Hering, Lachs, Makrele oder Thunfisch verzehren. Dummerweise sind – im Unterschied beispielsweise zu den Norwegern – gerade die Deutschen bisher eher Fischmuffel. Der durchschnittliche Verzehr liegt nach Angaben der DGE gerade einmal bei rund 7,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.
Abhilfe verprechen hier Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittelzusätze: Fischöl- und Omega-3 Kapseln werden bereits seit einigen Jahren eifrigst angeboten und beworben. Als Zusatz in Functional Food scheint der Boom zumindest in Deutschland erst langsam zu beginnen. In Frankreich dagegen gibt es seit einigen Jahren „Functional Milk" und Nudeln mit Omega-3 Zusatz und auch in Großbritannien sind Omega-3-Brot, Omega-3-Eier und mit Fettsäuren angereicherte Getränke längst auf dem Markt.
Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik rät zwar durchaus dazu, Eicosan-Präparate einzunehmen, empfiehlt aber gleichzeitig, eher auf hochwertige Produkte aus der Apotheke zurückzugreifen als auf die im Supermarkt erhältlichen. Ob allerdings die vielgepriesenen Omega-3 Fettsäuren tatsächlich wirken und ob nicht doch möglicherweise langfristige Nebenwirkungen eintreten können, ist bislang weder untersucht noch bekannt. Klar ist allerdings, dass auch Omega-3 Fettsäuren Fette sind und ihr Zusatz den Kaloriengehalt von Lebensmitteln erhöhen kann. Dem Absatz der Kapseln wie auch der angereicherten Lebensmittel tut dies jedoch offenbar keinen Abbruch….
Stand: 23.04.2004
Ist Deutschland ein Entwicklungsland in Sachen Vitaminen? Leiden wir unter aktuem Vitaminmangel? Fast scheint es so: Dr. Rath und andere Handlungsreisende in Sachen Vitamingesundheit füllen ganze Säle, ACE-Drinks fehlen in keinem Supermarktregal und Sprudeltabletten mit den begehrten „Gesundmachern" gehören fast schon zum Alltag. Selbst auf Tütensuppen, Frühstücksflocken und Tiefkühlkost prangt immer häufiger ein wahres Gesundheits-Alphabet.
Natürliche Vitamin C Lieferanten © USDA
Besonders begehrt sind dabei die Vitamine C, E und A in Form von Beta-Carotin. Sie gelten als „Radikalfänger" und sollen nicht nur Alterungsprozesse in Haut und anderen Geweben verhindern, sondern auch vor Krebs schützen. Tatsächlich haben Labor- und Tierversuche vielfach gezeigt, dass beispielsweise Beta-Carotin Oxidationsprozesse der DNA und damit auch potenziell krebsauslösende Mutationen reduzieren kann. Epidemiologische Untersuchungen scheinen dies zu bestätigen. So ergaben 24 von 25 Lungenkrebsstudien eine signifikante Reduktion des Krebsrisikos bei Menschen mit hohen Beta-Carotin-Konzentrationen im Blutplasma. Ähnliche Ergebnisse gab es für Vitamin E.
Angespornt von solchen Ergebnissen handeln viele nach der Devise: „Viel hilft viel" und greifen im Supermarkt instinktiv zu den angereicherten Produkten. Entsprechend addiert sich die Menge der aufgenommenen Vitamine.
Doch dieser „Vitamin-Overkill" ist nicht ohne Risiko: Gerade die vermeintlich heilsame Wirkung der Antioxidanzien kann sich schnell ins Gegenteil verkehren, wie neuere Erkenntnisse zeigen. Die Substanzen verursachen dann sogar eine verstärkte Oxidation und können das Krebsrisiko erhöhen. In den USA mussten sogar mehrere Studien vorzeitig abgebrochen werden, weil vermehrt Todesfälle und deutlich erhöhte Krebsraten aufgetreten waren.
Es gibt beispielsweise Hinweise darauf, dass schon die Aufnahme von 20 Milligramm und mehr an Vitamin A pro Tag bei starken Rauchern und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Keine sehr beruhigende Nachricht angesichts der Tatsache, dass ein halber Liter eines handelsüblichen ACE-Getränks bereits bis zu zwölf Milligramm Beta-Carotin enthalten kann. In Deutschland sind zwar einige Vitaminzusätze in Lebensmitteln auf bestimmte Höchstmengen beschränkt und zulassungspflichtig, für viele andere, darunter auch Beta-Carotin, gilt dies jedoch nicht. Dem Boom des „Vitamindopings" tut dies daher keinen Abbruch.
Ernährungsexperten sehen das mit gemischten Gefühlen. „Pauschalwarnungen spiegeln keinesfalls die Vitaminversorgung unserer Bevölkerung wider und führen oft zu einer erheblichen Verunsicherung der Verbraucher", erklärte dazu der Ernährungswissenschaftler Prof. Helmut Heseker anlässlich einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Deutschland sei kein Vitaminmangelland, so der einhellige Tenor der Experten. Einzig für die Vitamine E, D und Folsäure bestünden vereinzelt Defizite, insbesondere bei Frauen und alten Menschen. Doch hier sei eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Nüssen und Gemüsen völlig ausreichend…
Stand: 23.04.2004
Sie gilt als wahre Wunderwaffe im Kampf gegen die Leiden der modernen Zivilisation – die Folsäure. Kaum ein Vitamin wird heute so intensiv erforscht und in der Fachwelt diskutiert. Die Verbindung aus der Gruppe der B-Vitamine spielt im Körper eine wichtige Rolle bei der Bildung von Blut- und Schleimhautzellen, gleichzeitig fördert sie den Abbau von Homocystein, einem Schlüsselfaktor der Arteriosklerose. Über mehrere Stoffwechselwege wirkt sie zudem DNA-Schäden entgegen und mobilisiert die zelleigenen Reparaturmechanismen.
Fitnessriegel mit Folsäure © Nestlé
Richard Smith, Redakteur des renommierten British Medical Journal bezeichnet die Folsäure daher sogar als führenden Kandidaten für das „Allheilmittel des 21. Jahrhunderts". Denn dank ihrer vielseitigen Wirkungen soll sie nicht nur vorbeugend gegen Herzinfarkt und Arteriosklerose helfen, sondern auch das Risiko für einige Krebsarten wie Leukämie und Darmkrebs verringern. Folsäuremangel in der Schwangerschaft kann zudem beim Fötus Fehlbildungen des Nervensystems und der Gewebe wie den offenen Rücken verursachen.
Versorgung mangelhaft
Ausgerechnet dieses Lebenselixier gilt in vielen Industrieländern mittlerweile als Mangelvitamin. 0,4 Milligramm, bei Schwangeren 0,6 Milligramm, gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Richtwert für den täglichen Bedarf an. Doch in Zeiten von Fastfood und Mikrowellenkost wird von der vor allem in Leber, Vollkornprodukten, grünem Blattgemüse, Spargel, Eigelb und Nüssen enthaltenen Substanz einfach zu wenig gegessen.
Gefährdet sind dabei besonders Alkoholiker, Raucher, Frauen, die die „Pille" nehmen, Schwangere, Stillende, Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen oder chronischen Blutungen. Unter anderem deshalb beschlossen die amerikanischen Gesundheitsbehörden Mitte der 1990er Jahre, Getreideprodukte mit Folsäure anzureichern. Seit dem 1. Januar 1998 enthalten daher in den USA Mehl und Cerealien 1,4 Milligramm Folsäure pro Kilogramm. Ähnlich wie bei Jod im Kochsalz soll damit eine flächendeckende Versorgung über Lebensmittel des täglichen Bedarfs gewährleistet werden.
Langzeiteffekte unbekannt
Doch trotz der weitreichenden und unumstrittenen positiven Effekte der Folsäure warnen Experten wie Marc Lucock vor den Folgen eines solchen Masseneinsatzes. In einem Artikel im British Medical Journal schreibt er: „Trotz des gesteigerten Interesses und den klaren Vorteilen von Folsäurezusätzen ist Vorsicht angebracht. Die in Nahrungsergänzungsmitteln und in Functional Foods verabreichte Folsäureform ist Pteroylmonoglutamat (PGA) eine Form, die in der Natur so nicht existiert."
Forschungen zeigen, dass PGA bei Dosierungen unterhalb von 0,4 Milligramm zwar komplett in die normale Transportform des Vitamins umgewandelt wird. Bei höheren Dosen allerdings gelangt das sehr stabile PGA ohne Umwandlung in den Blutstrom. Werden Getreideprodukte per Gesetz mit Folsäure angereichert, kann eine solche Höherdosierung unter Umständen schnell erreicht werden. Nicht selten verabreichen zudem Ärzte ihren Herzpatienten extrem hohe Dosen von bis zu fünf oder sogar zehn Milligramm PGA.
Noch sind die langfristigen Auswirkungen solcher PGA-Gaben absolut unerforscht. Angesichts des sehr komplexen Stoffwechselkreislaufs der Folsäure raten Experten allerdings zur Vorsicht. Immerhin haben Laborversuche bereits gezeigt, dass PGA im Reagenzglas bestimmte Enzyme deaktiviert, darunter auch wichtige Bestandteile der Nukleotidbiosynthese…
Stand: 23.04.2004
Das „Gesundheitsprogramm der Natur", „Die grüne Kraft aus dem Gras" oder gar die „Quelle ewiger Jugend" – im Reigen der funktionellen Lebensmittel sind Pflanzeninhaltsstoffe stark im Kommen. In Großbritannien kann die „Frau ab 40" mit dem „Lady-Brotlaib" bereits beim Frühstück pflanzliche Hormone gegen das Altern zu sich nehmen, in Deutschland wetteifern Sojadrinks, Aloe Vera-Joghurt und Gingkotee um hoffnungsfrohe KäuferInnen.
Aloe Vera © USDA
Besonders verkaufsträchtig sind dabei Zusätze von traditionellen – gerne auch asiatischen – Arzneipflanzen. Gingko, Ginseng, Rotklee oder Johanniskraut sollen dem Verbraucher „die Heilkraft der Natur" bringen und beispielsweise dem Altern, dem Alltagsstress oder sogar Krebs entgegenwirken.
Tatsächlich haben beispielsweise Pflanzenhormone, wie Phytoöstrogene, vermutlich tatsächlich eine schützende Wirkung bei einigen Krebsarten und können möglicherweise auch einer Osteoporose vorbeugen. Zumindest zeigen Studien, dass eine Soja-reiche Ernährung aufgrund der enthaltenen Phytoöstrogene, besonders des Isoflavons „Genistein", das Risiko für hormonabhängige Krebsarten, kardiovaskuläre Erkrankungen und Knochenverlust nach den Wechseljahren reduziert.
Gerade weil diese Wirkstoffe in den menschlichen Hormonhaushalt eingreifen können, warnen Verbraucherschutzorganisationen und Ernährungsexperten vor solchen Zusätzen in Functional Food. Ihrer Ansicht nach sind pflanzliche Arzneistoffe, insbesondere Pflanzenhormone, gerade in höheren Dosierungen ein schwer kalkulierbares Risiko. Denn die unkontrollierte Zufuhr und unerkannte Wechselwirkungen mit bereits eingenommenen Medikamenten können schwere Nebenwirkungen hervorrufen.
Soja beinhaltet pflanzliche Östrogene © USDA
Doch auch ein „Zuwenig" ist nicht selten. Dann nämlich, wenn das, was drauf steht, nicht oder nur zu winzigen Bruchteilen überhaupt drin ist. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat im Jahr 2003 verschiedene Functional Food-Drinks untersucht und dabei reichlich „Schwarze Schafe" entdeckt. 167 der 238 untersuchten Getränke warben zwar massiv mit gesundheitsfördernden pflanzlichen Zusätzen, diese waren jedoch oft nur in so geringen Mengen vorhanden, dass mit Sicherheit keinerlei Wirkung zu erwarten wäre. In besonders krassen Fällen wurde sogar nur das entsprechende Aroma eingesetzt, von Inhaltsstoffen keine Spur.
Ob nun zuviel oder zuwenig – der Verbraucher hat zur Zeit kaum eine Chance, die tatsächliche Dosierung und mögliche Wirkung solcher Pflanzenzusätze zu beurteilen. Die meist ungenügende Kennzeichnung deklariert nur selten, wieviel von den „natürlichen Gesundmachern" eigentlich in einem Lebensmittel versteckt ist. Und wenn doch, fehlen Vergleichswerte, die eine Einordnung erlauben. Für die Verbraucherzentrale ist das Fazit ihrer Studie daher klar: Arzneimittel – egal welcher Dosierung – gehören nicht in Lebensmittel. Ob sich diese Haltung allerdings angesichts des boomenden Markts durchsetzt, bleibt abzuwarten…
Stand: 23.04.2004
Entgegen den gerne und oft proklamierten Thesen des Nobelpreisträgers Linus Pauling, des notorischen Gesundheitsreisenden Dr. Rath und anderen selbsternannten Heilkundigen kann man bei Vitaminen durchaus auch „des Guten zuviel tun". Insbesondere bei den fettlöslichen Vitaminen A, D und E können Überdosierungen sogar schwere Schäden nach sich ziehen. Daher hier ein Überblick über Wirkungen, empfohlene Tagesdosis, mögliche Überdosierungen und Einsatz in Functional Foods.
A (Retinol):
Funktion: Sehvorgang, Entwicklung und Differenzierung von Zellen,
Tagesbedarf: 0,8 – 1 Milligramm, das entspricht: 10 g Leber, 200 g Thunfisch, 300 g Mozarella oder 250 g Camembert oder aber entsprechenden Mengen an Beta-Carotin (s.u.)
Überdosierung: bei längerer Einnahme von mehr als 30 Milligramm am Tag, Symptome: Übelkeit, Reizbarkeit, unscharfes Sehen, Wachstumsverzögerungen, Leber- und Milzschäden, Haarausfall, Rheuma. Für Schwangere gilt der Grenzwert von maximal 3 Milligramm.
Functional Foods: In Limonaden (ACE-Drinks), Joghurts, Cerealien, Müsliriegeln, Tütensuppen, Tiefkühlkost. Hier liegt der zulässige Grenzwert bei 0,9 Milligramm pro Mahlzeit. In Margarine als Färbemittel zulässig in Dosierungen bis zu 10 Milligramm pro Kilogramm.
Beta-Carotin:
Funktion: Vorstufe von Vitamin A; natürliches Antioxidans
Tagesbedarf: 2-4 Milligramm, das entspricht: 50 g rote Paprika, Spinat oder Grünkohl, 100 g Möhren, 200 g Feldsalat oder 400 g Aprikosen
Bei Überdosierung wird überschüssiges Beta-Carotin in der Haut abgelagert, diese färbt sich gelblich-rötlich. Studien weisen erhöhtes Lungenkrebsrisiko für Raucher ab 20 Milligramm nach.
Functional Foods: als Färbemittel unter anderem in vielen Streichfetten. Als Provitamin A in vielen Getränken, Cerealien, Süßwaren (Fitnessriegel). Das Beta-Carotin wird heute teilweise gentechnisch hergestellt.
D (Calciferol):
Funktion: Knochen- und Zahnbildung, Kalzium-Stoffwechsel, Mangelkrankheit: Rachitis
Tagesbedarf: 5-10 Mikrogramm, das entspricht: 2 Eiern, 100 g Avocado, 20 g Hering, 150 g Champignons, 150 g Schmelzkäse, wird bei Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet.
Überdosierung: ab 500 Mikrogramm möglich, Symptome: Übelkeit, Gewichtsverlust, Reizbarkeit, aber auch Verzögerung der geistigen und körperlichen Entwicklung bei Kindern, Kalziumentzug aus Knochen und Gewebe.
Functional Foods: Wird als Zusatz in Margarine eingesetzt, ist hier begrenzt auf bis zu 25 Milligramm pro Kilogramm. Als Zusatz in Milchpulver zur Säuglingsnahrung in Dosierungen bis zu 15 Mikrogramm pro Liter, in diätetischen Lebensmitteln (Fitnessriegel, Multivitamingetränke) begrenzt auf 1,6 Milligramm pro Mahlzeit.
E (Tocopherol):
Funktion: Natürliches Antioxidans, wichtige Rolle im Fett- und Proteinstoffwechsel, mindert Risiko für Blutgerinnsel
Tagesbedarf: Normalerweise 6-8 Milligramm, bei gleichzeitiger Einnahme von vielen ungesättigten Fettsäuren erhöht sich dies auf 12-15 Milligramm, das entspricht: 25 g Sonnenblumenöl, 50 g Haselnüssen, 120 g Erdnüssen, 100 g Vollkornkeksen, 200 g Tomatensalat
Überdosierung: ab etwa 3.000 Milligramm möglich, Symptome: Kopfschmerzen, Übelkeit, vermehrte Blutungsneigung, Im Tierversuch treten Störungen im Vitaminhaushalt auf.
Functional Foods: ACE-Drinks, Cerealien, Müsliriegel, Tütensuppen, Tiefkühlkost. Tocopherol (E306) ist ohne Höchstmengenbeschränkungen für Lebensmittel zugelassen und wird als Konservierungs- und Antioxidationsmittel zugesetzt.
K (Phyllochinon):
Funktion: Blutgerinnung, Knochenbildung
Tagesbedarf: 60-80 Mikrogramm (bei Osteoporose, Krebs oder chronischen Darmerkrankungen deutlich mehr), das entspricht: 20 g Blattspinat, 5 g Sauerkraut, 15 g Rosenkohl, 10 g Petersilie, 150 g Spargel oder Kartoffeln
Überdosierung: erst ab der 50fachen Tagesdosis, meist keine Nebenwirkungen.
Functional Foods: Gilt nicht als Zusatzstoff und ist daher ohne Höchstmengenbeschränkungen für Lebensmittel zugelassen
Stand: 23.04.2004
Im Gegensatz zu den fettlöslichen Vitaminen bestehen bei den wasserlöslichen Vertretern dieser Stoffgruppe kaum Risiken einer Überdosierung. Geringere Überschüsse werden in der Regel über die Nieren ausgeschieden. Dennoch werden auch hier negative Effekte von zu hohen Dosen diskutiert.
B1 (Thiamin):
Funktion: Nerven, Kohlenhydratstoffwechsel, Glykogenspeicherung, Mangelkrankheit: Beriberi
Tagesbedarf: 1,0 – 1,3 Milligramm (bei Stress, Rauchen, Pille, Schwangerschaft, Leistungssport erhöht auf 5 – 10 Milligramm), das entspricht: 120 g Schweinefleisch, 450 g Vollkornbrot, 50 g Sonnenblumenkernen, 200 g Haferflocken,
Überdosierung: Kein Risiko, Überschuss wird über die Nieren ausgeschieden, erst bei 1.000 facher Überdosis droht Schock.
Functional Foods: Süßwaren (Fitnessriegel), Cerealien, Multivitaminprodukte
B2 (Riboflavin):
Vorkommen als Komplex aus Riboflavin, Folsäure, Niacin und Pantothensäure
Funktion: Coenzyme im Protein- und Energiestoffwechsel, Nervensystem, Hormonregulierung
Tagesbedarf: 1,2 – 1,5 Milligramm, das entspricht: 60 g Rinder- und Schweineleber, 4 Eiern, 270 g Camembert, außerdem in Milch, Milchprodukten, Fleisch, Innereien.
Überdosierung: Keine Nebenwirkungen bekannt.
Functional Foods: In Süßwaren (Fitnessriegel), Cerealien, Multivitaminprodukten. Wird als Gelb-Färbemittel für Cremespeisen, Desserts, Speiseeis, Süßwaren, Käse, Mayonnaise, Suppen und Nudeln eingesetzt und ist ohne Höchstmengenbeschränkungen für Lebensmittel zugelassen. Teilweise stammt das Riboflavin aus gentechnischer Herstellung.
Folsäure (Pteroylglutaminsäure):
Vitamin der B-Gruppe
Funktion: Blutbildung, Abbau der Säure Homocystein, Zellstoffwechsel
Tagesbedarf: 0,4 Milligramm, Schwangere bis 0,6 Milligramm, das entspricht: 25 g Bierhefe, 60 Weizenkeime, 90 g Rinderleber, 380 g Spinat, 250 g Nüsse
Überdosierung: ab ca. 15 Milligramm, Symptome: allergische Reaktionen, Magen-Darm-Störungen, Schlaflosigkeit, Nervosität, Folsäure mindert die B12 Aufnahme, Wechselwirkungen mit krampflösenden Mitteln bei Epileptikern
Functional Foods: Anreicherung von Mehl und Cerealien in den USA seit 1996 mit 1,4 Milligramm Folsäure pro Kilogramm, in Kanada seit 1998, in Deutschland in Süßwaren (Fitnessriegel), Cerealien, Multivitaminprodukten, Vollkornkeksen. Ist in Deutschland ohne Höchstmengenbeschränkung für Lebensmittel zugelassen.
Niacin (Nicotinamid,Nicotinsäureamid, früher B3):
Funktion: Zellatmung, Kohlenhydrat- und Eiweissstoffwechsel, Regeneration von Haut, Muskeln, Nerven und DNS, Mangelkrankheit: Pellagra
Tagesbedarf: 13-17 Milligramm, das entspricht: 200 g Lachs, 150 g Pute, 110 g Kaffeebohnen, 300 g Champignons, wird vom Körper auch aus Proteinbestandteil Tryptophan synthetisiert
Überdosierung: erst ab dem 50fachen der Tagesdosis, Symptome: Rotwerden, Kopfweh, Krämpfe, Übelkeit, Juckreiz, Leberschaden, Darmschwierigkeiten
Functional Foods: Süßwaren (Fitnessriegel), Vollkornkekse, Cerealien.
Pantothensäure:
Vitamin der B-Gruppe
Funktion: Zellstoffwechsel, Nervensystem, fördert Wundheilung, Hormonbildung
Tagesbedarf:6 Milligramm, das entspricht: 2 Eiern, 1,7 Liter Milch, 170 g Sonnenblumenkernen, 80 g Bierhefe, Vorkommen in den meisten pflanzlichen und tierischen Produkten.
Überdosierung: ab 10 Milligramm Darmstörungen möglich
Functional Foods: Süßwaren (Fitnessriegel), Cerealien, Multivitamingetränke.
B6 (Pyridoxin):
Funktion: Eiweissstoffwechsel, Leberstoffwechsel, Nervensystem, Blutbildung
Tagesbedarf: 1,2 – 2 Milligramm, das entspricht: 60 g Keime, 250 g Lachs, 400 g Avocado, außerdem in Vollkornprodukten, Fleisch, Spinat, Milchprodukten.
Überdosierung: Bei Ratten wurden Leberschäden nachgewiesen
Functional Foods: Süßwaren (Fitnessriegel), Cerealien, Multivitaminprodukte
B12 (Cobalamin):
Funktion: Zellwachstum und –teilung, Nervensystem, Blutbildung
Tagesbedarf: 2 –3 Mikrogramm, das entspricht: 2 g Rinderleber, 2 Eiern, 35 g Makrele oder Hering, 300 g Speisequark, 95 g Camembert, außerdem in weiteren Lebensmitteln tierischer Herkunft
Überdosierung: Keine Nebenwirkungen bekannt
Functional Foods: Süßwaren (Fitnessriegel), Cerealien, Multivitaminprodukte, teilweise stammt das Cobalamin aus gentechnischer Herstellung
C (Ascorbinsäure):
Funktion: natürliches Antioxidans, Eisenverwertung, Immunsystem, Zellstoffwechsel, Bildung von Bindegewebe und Knochen, Zahnerhaltung, Mangelkrankheit: Skorbut
Tagesbedarf: 100 Milligramm (bei Stress, Sport, Schwangerschaft u.ä. bis zu 150 Milligramm), das entspricht: 15 g Sanddorn, 40 g Schwarze Johannisbeere, 70 g Paprika, 120 g Zitrusfrüchte, 150 g Kiwi, außerdem in weiteren Früchten und Gemüsen.
Überdosierung: empfohlene Höchstdosis 2.000 Milligramm, darüberhinaus Risiko der Nierensteinbildung, Hemmung der B12-Aufnahme.
Functional Foods: ACE-Drinks, Joghurts, Teemischgetränke, Cerealien, Tütensuppen, Tiefkühlkost, Süßwaren. Ascorbinsäure (E300) ist ohne Höchstmengenbeschränkungen für Lebensmittel allgemein zugelassen und wird oft als Konservierungs- und Antioxidationsmittel zugesetzt. Inzwischen wird Ascorbinsäure häufig auch gentechnisch hergestellt
Stand: 23.04.2004
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Source: https://www.scinexx.de/service/dossier_print_all.php?dossierID=91755
Posted by: millshatesel.blogspot.com

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